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07.01.2013, 10:37
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Herbst 2000

Freies Wort

Mit Dudelsack, Banjo und Spaß an der Freude

Was sind das bloß für Leute?/ Nico Schneider von Heike Haubold Zella-Mehlis.

Noten kann er zwar nicht lesen, doch Musik macht er wie ein Profi. Musizieren nach Gehör- dieses Talent muss Nico Schneider vom Opa gelernt haben. Der war blind und spielte in einer Kapelle.
Blind ist der 19-jährige glücklicherweise nicht, aber zum Musizieren braucht er weniger die Augen als die Ohren.
"Ich höre mir die Musik an, speichere sie und spiele sie nach." Dabei hat es ihm ganz besonders die irische Volksmusik angetan. Die Musik, die unter anderem die irische Folkband "The Dubliners" in die Konzertsäle der näheren und weiteren Umgebung brachten, ist genau sein Ding. "Das ist ehrliche Musik, die direkt aus dem Herzen kommt. Und sie ist so schwer zu spielen wie kaum eine andere."
Für die Schnelligkeit brauche man enorm viel Virtuosität. Da sei nicht mit technischen Effekten zu tricksen. Diese Musik nachzuspielen hat er probiert- mit dem Banjo, der Mundharmonika, dem Akkordeon, der irischen Blechflöte. Und das hat so gut geklappt, dass Nico Schneider seit vier Jahren nicht locker lässt und übt, übt und übt.
Sein Repertoire ist stattlich. Nicht nur das der Instrumentalstücke, sondern auch das der irischen und selbstgeschriebenen Lieder. Von seinem ersten selbstverdienten Geld hat er sich auch noch einen schottischen Dudelsack zugelegt.
Auch hier hat er sich über den Unterricht den er sich selbst gegeben hat eingespielt. "Es gibt genug Bücher die die Techniken beschreiben" verrät er das ganze "Geheimnis" seiner Unterrichtsmethode. Dabei sind Banjo und Dudelsack Instrumente, die zu jenen gehören, denen sehr schwer gekonnte Töne zu entlocken sind.
Dass dies ganz gut gelingt, davon können sich hin und wieder Wanderer auf dem Ruppberg überzeugen. So "rollen" an manchem Sommertag schottische Dudelsackklänge vom Gipfel ins Tal. Schließlich ist der Dudelsack für Räume - zumindest für kleinere - einfach zu laut. Nun ja, er wurde ja auch fürs Musizieren in der freien Natur erfunden.
Doch auch mit seinen anderen Instrumenten bleibt Nico Schneider nicht im stillen Kämmerlein. Zu Feiern und Festen wird er schon mal engagiert. Manchmal spielt er auch ganz spontan mit seinen Kumpels in Kneipen auf- einfach so, aus Spaß an der Freude. Der Beifall der anderen Gäste zeigt, dass diese Musik eine willkommene Abwechslung ist zur deutschen Volksmusik, zum Schlager, Rock und Pop.
Auch wenn die irische Musik bei Nico Schneider ganz oben rangiert, so hat er dennoch Respekt vor jeder anderen gut gemachten Musik und vor Straßenmusikanten. "Das habe ich auch schon gemacht und weiß was die Jungs leisten." Dass er für sie immer Kleingeld in der Tasche hat, versteht sich ebenso von selbst wie sein Berufswunsch. Instrumentenbauer möchte er werden nach seinem Zivildienst...