Kurs 2

Allgegenwärtige Informatik – Plastikkarten, Codes und kluge Netze (Allgegenwärtiges)

Ohne Magnet- und Chipkarten würde unser heutiges Leben ganz anders verlaufen: Scheinbare „Vorteile" durch Kunden- oder Mitgliedskarten. Zutrittskontrolle und Leistungsabrechnung über elektronische Eintrittskarten oder Coin Chip. Einkaufen und Bargeldversorgung mit der EC-Karte. Die SIM-Karte im Handy. Und vielleicht bald flächendeckend die Elektronische Gesundheitskarte. Welche Informationen enthalten all diese Karten? Wer kann darauf zugreifen? Sind meine Daten dort sicher? Kann ich nachprüfen, was auf der Karte steht?

Auch andere codierte Daten begegnen uns auf Schritt und Tritt: Strichcodes auf Waren, 2D-Codes auf Briefumschlägen, QR-Codes in der Werbung. Und weniger offensichtlich als Chip in Warenetiketten, Büchern in der Bibliothek, Gepäckanhängern auf Flughäfen. Oder sogar ganz unsichtbar in Kleidung, Geräten, Implantaten – und Tieren. Wir möchten mit euch die enthaltenen Informationen dieser Systeme sichtbar machen und über Sinn und Auswirkungen solcher Kennzeichnungen diskutieren.

Unsere Handys, Smartphones, Tablets, Notebooks, eBook-Reader können über WLAN und andere digitale Netztechnologien kommunizieren – häufig, ohne dass wir dies überhaupt bemerken. Kann dieser Datenverkehr belauscht werden? Ist es Fremden dadurch möglich, in unsere Geräte einzudringen? Welche Spuren im Netz hinterlassen wir durch diese intensive Kommunikation? Wie können diese Muster zu unserem Vor- oder Nachteil genutzt werden? Durch Experimente zu Ortung und Rückverfolgung und zur WLAN-Sicherheit könnt ihr euch hierzu selbst ein Bild machen.

Und was geschieht, wenn alle diese Technologien zusammengeführt werden, wie in der Vision der »intelligenten Lebensumgebung«? Wird unser Leben bequemer, schöner, besser – oder werden wir dadurch abhängig und lenkbar? Was wird in naher oder ferner Zukunft Normalität sein? Müssen dann alle diese Technik benutzen oder haben wir noch eine Wahl? Gemeinsam schauen wir »hinter die Kulissen« und untersuchen, auf welche Weise Computersysteme bereits mit unserer Lebenswelt verschmolzen sind und wie Entwicklungstendenzen in ferner Zukunft aussehen könnten und sollten.

Teilnahmevoraussetzungen:

Interesse an Informatik und ihren gesellschaftlichen Wechselwirkungen, Bereitschaft, kooperativ miteinander und voneinander zu lernen, offen zu diskutieren, Sachverhalte kritisch zu hinterfragen, sich mit anderen Meinungen auseinander zusetzen und diese zu akzeptieren, Neugier und Spaß daran, zu experimentieren und ein bisschen in die Zukunft zu blicken.

Kursleitung:

Stefanier MüllerStefanie Müller (Jg. 1984) studierte nach ihrem Abitur an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, schloss ihr erstes Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien in den Fächern Informatik und Geschichte ab und ist lehrbefähigt für das Fach Medienkunde. Während ihres Informatikstudiums begann sie, sich insbesondere auch kritisch mit Wechselwirkungen zwischen Informatik und Gesellschaft auseinander zu setzten, weshalb sie diese Thematik auch für ihre Staatsexamensarbeit wählte. Bei ihrer Mitarbeit am „Förderprogramm Demokratisch Handeln" in Jena betreute sie besonders gern Jugendliche innerhalb der deutschlandweit stattfindenden „Lernstatt Demokratie". Bei dieser Tätigkeit entdeckte sie ihre Vorliebe für die projektbezogene Arbeit mit Schülerinnen und Schülern. Derzeit unterrichtet sie als Lehramtsanwärterin im Staatlichen Gymnasium „Dr. Konrad Duden" in Schleiz (Thüringen). Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten in ihrer kleinen Familie – besonders mit ihrem Sohn erkundet sie gern die Natur.

Prof. Eberhard ZehendnerEberhard Zehendner (Jg. 1956) studierte an der Technischen Universität München Mathematik mit Nebenfach Informatik und war dann lange Zeit wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Augsburg. Seit 1995 ist er Professor für Technische Informatik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. In Forschung und Lehre beschäftigt er sich umfassend mit der Arithmetik von Rechenanlagen, insbesondere dem Entwurf leistungsfähiger Schaltungen und der Sensibilisierung von Studierenden für das Systemverhalten der Rechnerarithmetik, das in deutlichem Kontrast zur Schulmathematik steht. Seit vielen Jahren interessiert er sich für Fragen aus dem Bereich „Informatik und Gesellschaft" und bietet im Studium regelmäßig auch für Gasthörer geeignete Seminare an. In die Begabtenförderung ist er u.a. als Vertrauensdozent der Hans-Böckler-Stiftung, durch Mitarbeit in der Thüringer Gesellschaft für das hochbegabte Kind sowie bei Mensa in Deutschland und durch Zuarbeit für das Mitteldeutsche Zentrum für Hochbegabtenförderung involviert.